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Geschichte

Brand-Erbisdorf an der Silberstraße

In einer gesonderten Präsentation erhalten Sie interessante Einblicke zur Industriegeschichte.

Das Gebiet um das heutige Brand-Erbisdorf wurde nach 1150 gerodet. Auch wenn Urkunden fehlen, so ist doch anzunehmen, dass Erbisdorf das gleiche Alter wie die umliegenden Ortschaften hat. Die Siedlungen waren reine Bauerndörfer, die Siedler wohl fränkischen Ursprungs. 1209 wird Erbisdorf als "Erlwinesberg" erstmals erwähnt. Die ursprüngliche Dorfanlage erstreckte sich auf einer Länge von zwei Kilometer am Dorfbach entlang in einer Höhe von 450 bis 500 m.

Zwischen 1200 und 1250 hatte der sich von Freiberg ausbreitende Silberbergbau die Erbisdorfer Flur erreicht und es existierte eine bergmännische Siedlung im Gebiet des heutigen Stadtzentrums, wie neue archäologische Funde beweisen. Der Bergbau wurde für viele Jahrhunderte zur Haupterwerbsquelle der Bewohner.

Konstantin-Schacht, altes Fördergebäude um 1960Im 14. Jh. erlebte der Brander Bergbau seine erste Blütezeit. Im 15. Jh. erfolgte ein Niedergang des Bergbaus infolge technischer Probleme und der Hussiteneinfälle in Sachsen. Ab 1500 nahm der Brander Bergbau einen Aufschwung, die zweite, rund ein Jahrhundert dauernde Blütezeit begann. Unmittelbar damit zusammenhängend wurde die bergmännische Streusiedlung 1515 durch Herzog Georg den Bärtigen zur Gemeinde Brand erhoben. Teilweise mit Rechten einer Bergstadt versehen, war es doch keine Stadt im Sinne der damaligen Gepflogenheiten. Es begann die über 300jährige Entwicklung zur vollwertigen Stadt. 1539 erfolgte die Reformation in Erbisdorf.

Das Recht zu einem wöchentlichen Brot- und Victualienmarkt wurde 1620 erlassen. 1631 bis 1648 wurde Sachsen von den Kampfhandlungen im Dreißigjährigen Krieg betroffen. Wiederholte Plünderungen und Misshandlungen der Bevölkerung, Hungersnöte und Krankheiten dezimierten die Einwohnerzahl und der Bergbau als Haupterwerbsquelle kam fast zum Erliegen. Der Siebenjährige Krieg brachte erneut unerträgliches Elend für die Bewohner. Brand hatte Zahlungen und Kontributionen in Höhe von 23 300 Talern zu leisten. Dabei hatte die Gemeinde etwa 800 Einwohner, die Hälfte davon Kinder. Das letzte Gefecht des Krieges wurde auf unseren Fluren ausgetragen. Nach dem Krieg erfolgte eine Reorganisation des Bergbaus. Infolge verbesserter Organisation, Betriebswasserversorgung und technischer Neuerungen wurde das Silberausbringen erheblich gesteigert.

Gedenkstein zur Vereinigung beider Städte: Eintracht, die du aufgebauet / Was des Wanders Bild hier schauet /Wohl lebt in diesen Räumen! / 1862

In den Napoleonischen Kriegen 1806 bis 1814 mussten Brand und Erbisdorf wiederum vieles an Zahlungen und Einquartierungen erdulden. Bis zu dieser  Zeit hatten die Einwohner fast nur vom Bergbau gelebt. Allmählich siedelten sich andere Gewerke an. 1834 wurde Brand bei 2087 Einwohnern zur Stadt ernannt. Der erste Bürgermeister war der Kaufmann August Christian Jauchius. Im Revolutionsjahr 1848 legte der Stadtrat aufgrund der politischen Ereignisse seine Funktion nieder. Es wurde eine Volksbewaffnung angeordnet und eine Kommunalgarde gegründet. Zur Unterdrückung des Aufstandes war zeitweilig preußisches Militär in Brand einquartiert. 1856 eröffnete man das Amtsgericht und die Post, zwei Jahre später folgte die Sparkasse.  Mit der Abschaffung der Silberwährung im Deutschen Reich 1873 wurde Silber ein bloßes Handelsmetall und es setzte ein Preisverfall ein. Um drohende Grubenschließungen zu verhindern, verstaatlichte man 1886 die Gruben und begann mit deren Modernisierung. 1890 erhielten beide Orte Bahnanschluss. Für den an Bedeutung verlierenden Bergbau begann man erfolgreich Ersatzarbeitsplätze zu schaffen.

Elite1903 beschloss der Sächsische Landtag die planmäßige Einstellung des Bergbaus über den Zeitraum von zehn Jahren. Bis dahin hatte der Brander Begbau 1500 Tonnen Silber geliefert - ein Viertel der gesamten sächsischen Produktion. Der Mordprozess gegen Grete Beier, die Tochter des Brander Bürgermeisters, und ihre öffentliche Hinrichtung sorgten 1908 weltweit für Aufsehen. Am 1.4.1912 waren Brand und Erbisdorf auf Anordnung vereinigt worden. Die weitere Industrialisierung machte dies notwendig. Der Wandel von der Berg- zur Industriestadt war innerhalb kurzer Zeit gelungen. So gab es neben klein- und mittelständigen Unternehmen eine Möbelfabrik, vier Glashütten und ein Automobilwerk. Auch die bekannte Odolflasche kam damals aus Brand-Erbisdorf. Im Ersten Weltkrieg hatte die Stadt 208 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Hart betroffen war die Stadt in der Weltwirtschaftskrise. 1300 von 1600 Arbeitnehmern verloren ihren Arbeitsplatz. Die Stadt arbeitete verzweifelt daran, die Situation zu ändern. 1939 produzierten 20 Fabriken, zum großen Teil für die Rüstung. Die Stadt blieb bis auf die letzten Kriegsmonate vom Kriegsgeschehen unberührt. Insgesamt hatten die Einwohner rund 250 Opfer zu beklagen.

NARVA, Gebäude des Glaswerkes

Einen großen Schub für die Entwicklung der Stadt brachte die Ernennung zur Kreisstadt 1952. Das industrielle Profil wurde von den beiden Großbetrieben "NARVA" und dem Preß- und Schmiedewerk bestimmt.






Neubaugebiet Ring der Einheit (Kuhberg)Neubaugebiete wurden in den 70er und 80er Jahren auf dem Kuhberg und im Goldbachtal als Großplattensiedlung angelegt.

Mit der Wende kam es 1990 zur Wahl des neuen Stadtparlamentes. Größtes Problem war der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. 1993 erfolgte die Eingemeindung von St. Michaelis, Linda und Himmelsfürst. Zur 800-Jahr-Feier 1994 konnten folgende Projekte abgeschlossen werden: Bau eines Feuerwehrdepots, Bau der Bergstadthalle, Neugestaltung des Marktplatzes, Inbetriebnahme der Kläranlage in St. Michaelis und Wiedereinrichten der Bergglocke auf der Brander Schule.1997 wurde der 43 Millionen DM teure Gymnasiumsneubau für etwa 1000 Schüler eingeweiht.

1999
erfolgte nach
Museum "Huthaus Einigkeit"umfangreicher Rekonstruktion die Neueröffnung des Museums "Huthaus Einigkeit", in dem sich der Besucher umfangreich über die Geschichte von Brand-Erbisdorf und seines Bergbaus informieren kann. Die Bergbaugeschichte wird auf dem Bergbaulehrpfad, der rund um Brand-Erbisdorf führt, wieder lebendig, denn man kann fast 100 Einzelobjekte zu Fuß erkunden. Die Gesamtlänge aller Teilabschnitte beträgt ca. 40 km.

Bergbauschauanlage "Bartholomäusschacht"Sehenswert ist die 1995 restaurierte Bergbauschauanlage "Bartholomäusschacht". Hier kann der Besucher hautnah mittelalterliche Fördertechnik selbst bedienen und eine Einfahrt in den Schacht unternehmen.

Wunderbar kann man sich im Sommer im Naturbad "Erzengler Teich" erholen. Mitten im Wald gelegen, gehört der Teich zum System der Bergmännischen Wasserwirtschaft und kann auf ein Alter von etwa 450 Jahren verweisen. Die Wasserfläche zum Schwimmen beträgt 12000 m² und es stehen Liegewiesen von 10000 m² Größe zur Verfügung.

Weitere interessante Zeugen des Bergbaus sind:
das Buttermilchtor, das 1821 erbaut als Kunstgrabenaquädukt diente, der Thelersberger Stolln im Stadtteil Linda, der nach Voranmeldung Telefon 037322 50699 besichtigt werden kann, sowie das besterhaltene Ensemble bergmännischer Gebäude auf der am östlichen Stadtrand gelegenen Zugspitze mit dem restaurierten Alt Mordgruber Zechenhaus und dem Gelände des Menden-Kunst- und Treibeschachtes.
Beim Rundgang durch dieses Gelände entdeckt der Besucher alle Gebäude, die einst zu einer Grube gehörten, das Treibehaus, das Huthaus, das Material- und Bethaus, die Bergschmiede und das Wasserhebehaus, sowie weitere Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Wohngebäude, die den historischen Bereich als Gartenstadt entstehen ließen.

Dank der Initiative des heute besitzenden Investors wurden und werden alle Gebäude sowie das gesamte historische Gelände stilgerecht restauriert.

Anmerkung der Stadtverwaltung:
Schauen Sie dazu doch einmal in die private Homepage von Werner und Monika Griesbach, in der Sie über die "Sächsische Zugspitze" Interessantes erfahren!

Kontakt

Stadtverwaltung
Markt 1
09618 Brand-Erbisdorf
Tel.: 03 73 22 / 3 20
Fax: 03 73 22 / 3 23 41
stadt@brand-erbisdorf.de


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